Kurz gesagt
Stundenzettel, Terminal, App und GPS-Zeiterfassung unterscheiden sich vor allem darin, wo Mitarbeitende ihre Zeit erfassen und wie viele Zusatzschritte der Betrieb anschließend erledigen muss. Prüfen Sie zuerst Baustellen, Werkstatt, Büro, Projektzuordnung und Korrekturabläufe; wählen Sie danach die einfachste Lösung, die Ihre Anforderungen abdeckt. Ein kurzer Test mit einem typischen Auftrag zeigt, ob die Erfassung im Arbeitsalltag funktioniert.
Der Monteur steht mit staubigen Handschuhen vor dem Transporter, die Baustelle wartet, und im Papierzettel fehlt noch die Auftragsnummer. Solche kleinen Lücken kosten im Büro später Zeit: Jemand muss nachfragen, Einträge entziffern und Arbeitsstunden einem Auftrag zuordnen.
Zeiterfassungssysteme lösen dieses Problem auf unterschiedliche Weise. In diesem Ratgeber vergleichen Sie Stundenzettel, stationäre Terminals, mobile Apps und GPS-gestützte Erfassung. Sie erfahren, welche Lösung für Werkstatt, Baustelle und wechselnde Einsatzorte passt, welche Fragen Sie vor einer Entscheidung klären sollten und wie Sie ein System testen, ohne Ihren Betrieb mit Funktionen zu überladen.
Erfassen Sie zuerst Arbeitsorte, Auftragswechsel und Korrekturen, bevor Sie Systeme vergleichen.
Papier und Terminal passen oft zu festen Abläufen; Apps eignen sich eher für wechselnde Einsatzorte und direkte Baustellenstarts.
GPS hilft bei der Standortzuordnung, erklärt aber allein weder Arbeitszeit noch Tätigkeit und braucht klare Datenschutzregeln.
Testen Sie einen realen Auftrag einschließlich Pause, Auftragswechsel, Fehlbuchung und schlechtem Empfang.
Wählen Sie eine Lösung, die Buchungen bis zur Auswertung ohne unnötige Übertragungsschritte weiterführt.
Vergleichen Sie zuerst Ihre Arbeitsorte und Abläufe
Das passende Zeiterfassungssystem hängt zuerst davon ab, wo Ihre Beschäftigten arbeiten und wie oft sie zwischen Aufträgen wechseln. Der Grund: Eine Buchung ist nur dann später brauchbar, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt, Ort und Auftrag passt. Ein Terminal kann Anwesenheit am Betriebshof gut erfassen, aber nicht automatisch zeigen, wann ein Team auf der Baustelle mit einem bestimmten Auftrag begonnen hat. Eine App kann diese Zuordnung näher an den Einsatz bringen, verlangt dafür aber eine verlässliche Bedienung unterwegs.
Nehmen Sie den Arbeitstag einer Tischlerin: Sie beginnt in der Werkstatt, fährt nach dem Mittag zu einer Kundin und beendet den Tag mit einer Materialfahrt. Wenn sie nur morgens und abends am Terminal stempelt, sieht die Leitung zwar die Anwesenheitszeit, aber nicht ohne Rückfrage, wie viele Stunden in Werkstatt und Kundenauftrag geflossen sind. Entscheiden Sie deshalb vorab, welche Zeitarten Sie wirklich getrennt auswerten müssen. Eine Aufteilung, die weder die Abrechnung noch die Einsatzplanung beeinflusst, erzeugt womöglich mehr Buchungen ohne entsprechenden Nutzen.
Erstellen Sie eine kurze Ablaufkarte für drei bis fünf typische Situationen: Arbeitsbeginn im Betrieb, direkter Baustellenstart, Fahrt zwischen Aufträgen, Pause, ungeplanter Einsatz und Tagesende. Notieren Sie bei jeder Situation, wer bucht, welche Information benötigt wird und wer den Eintrag prüft. Beispiel: Startet ein Team direkt beim Kunden, muss die Regel klären, ob es dort den Arbeitsbeginn bucht und wie die Fahrt behandelt wird. Damit verhindern Sie, dass Beschäftigte und Büro denselben Vorgang unterschiedlich interpretieren.
Markieren Sie anschließend die Stellen, an denen Informationen verloren gehen. Fehlt meist die Auftragsnummer, kann eine einfache Auswahl bei der Buchung mehr helfen als GPS. Werden Zeiten regelmäßig erst Tage später nachgetragen, braucht es womöglich einen einfacheren Buchungsweg oder eine klare Erinnerung. Prüfen Sie den gesamten Weg bis zur Abrechnung: Welche Angabe muss der Mitarbeiter sofort machen, was kann das Büro sicher ergänzen, und welche Lücke führt tatsächlich zu falschen Auswertungen oder Rückfragen? So vergleichen Sie Lösungen anhand Ihres Problems statt anhand der Zahl ihrer Funktionen.
Diese vier Systeme decken unterschiedliche Betriebsformen ab
Zeiterfassungssysteme im Vergleich lassen sich in vier praktische Formen einteilen: Papier, Terminal, mobile App und GPS-gestützte Erfassung. Sie lösen unterschiedliche Teile desselben Problems. Papier ist leicht einzuführen, überlässt Vollständigkeit und Übertragung aber häufig dem Team oder Büro. Ein Terminal bündelt Buchungen an einem festen Ort. Eine App begleitet Beschäftigte zu wechselnden Einsatzorten. GPS ergänzt eine Buchung um Standortinformationen. Je öfter Aufträge und Orte wechseln, desto wichtiger wird die richtige Zuordnung direkt beim Erfassen.
| System | Passt oft zu | Typischer Aufwand | Zu prüfen |
|---|---|---|---|
| Stundenzettel | Kleinem Team mit wenigen Aufträgen | Manuelle Übertragung und Rückfragen | Lesbarkeit und vollständige Angaben |
| Terminal | Werkstatt oder Betriebshof | Einrichtung am festen Standort | Direkte Baustellenstarts |
| Mobile App | Montage- und Serviceteams | Bedienung und Datenverbindung | Offline-Funktion und einfache Buchung |
| GPS-gestützte Erfassung | Fahrten und wechselnde Einsatzorte | Klärung von Standort- und Zugriffsfragen | Datenschutz, Zweck und Transparenz |
Die Tabelle zeigt typische Einsatzfelder, keine feste Rangfolge. Ein kleines Team mit wenigen, gut bekannten Aufträgen kann mit einem sauber gestalteten Stundenzettel auskommen. Der Aufwand zeigt sich jedoch oft erst später: Fehlt am Freitag auf mehreren Zetteln die Auftragsnummer, muss das Büro nachfragen und die Antworten übertragen. Eine App kann diesen Schritt verkürzen, wenn Beschäftigte den Auftrag schnell finden. Sind die Auftragsnamen ähnlich oder die Liste zu lang, verlagert sich der Aufwand lediglich in die Auswahl und es entstehen neue Fehlbuchungen.
Betrachten Sie daher nicht nur die Anschaffung oder den einzelnen Buchungsvorgang, sondern auch Einweisung, Korrekturen, Übertragung und Prüfung. Eine Lösung mit mehr Funktionen ist nicht automatisch besser: Jede Pflichtangabe muss einen konkreten Zweck erfüllen, sonst kann sie die Buchung verlangsamen und dazu führen, dass sie aufgeschoben wird. Umgekehrt kann eine scheinbar einfache Lösung teuer in Bürozeit werden, wenn Daten regelmäßig händisch nachgetragen werden müssen.
Mischformen können passen, wenn sie verschiedene Arbeitsorte sinnvoll abdecken. Ein Betrieb könnte am Werkstatteingang ein Terminal nutzen und Außendienstzeiten mobil erfassen. Legen Sie dazu eindeutig fest, welches System in welchem Fall gilt und wie Buchungen zusammengeführt werden. Wenn dieselbe Person dieselbe Zeit doppelt buchen muss, ist die Kombination wahrscheinlich zu kompliziert. Nutzen Sie in beiden Wegen dieselben Begriffe für Aufträge, Tätigkeiten und Pausen, damit die Daten im Büro zusammenpassen.
Papier und Terminal bleiben sinnvoll, wenn der Ablauf einfach ist
Papier und Terminal passen oft, wenn Arbeitsbeginn und Arbeitsende an einem festen Ort liegen und wenige Aufträge parallel laufen. Der Vorteil: Beide Wege lassen sich ohne komplizierte mobile Abläufe verstehen. Der Unterschied liegt in der Nacharbeit. Beim Papier müssen Einträge lesbar und vollständig sein und häufig noch übertragen werden. Ein Terminal macht Buchungen digital verfügbar, erfasst aber zunächst nur das, was am Gerät gebucht wird. Keines der beiden Systeme löst von selbst die Zuordnung zu wechselnden Aufträgen.
Stellen Sie sich einen Malerbetrieb mit fünf Beschäftigten vor, die morgens gemeinsam im Lager Material laden und danach meist an einem Auftrag arbeiten. Ein Wochenblatt mit Datum, Beginn, Ende, Pause und Auftrag kann hier genügen, wenn die Angaben zuverlässig eingetragen und zeitnah geprüft werden. Fährt das Team dagegen an einem Tag zu drei Kunden, wird aus einem Blatt mit wenigen Feldern schnell eine Sammlung aus Randnotizen und Pfeilen. Der entscheidende Hinweis ist nicht, ob Papier günstig ist, sondern wie viel Zeit das Büro mit Nachfragen und Übertragen verbringt.
Ein Terminal eignet sich für Werkstätten, in denen Mitarbeitende ohnehin vorbeikommen. Es kann Beginn, Ende und Pausenwechsel erfassen, aber der Nutzen sinkt, wenn Beschäftigte direkt zur Baustelle fahren. Fragen Sie deshalb: Bildet die Buchung den tatsächlichen Arbeitsbeginn ab oder nur den Besuch am Betriebshof? Wenn ein Team vor der Fahrt stempelt, obwohl die eigentliche Arbeit später beginnt, muss außerdem klar sein, wie Fahrt und Arbeitszeit getrennt behandelt werden. Sonst erzeugt die digitale Buchung zwar präzise Zeitstempel, aber keine passende Information für den betrieblichen Ablauf.
Bei beiden Varianten brauchen Sie eine einfache Regel für fehlende Buchungen und Korrekturen. Legen Sie fest, wer einen vergessenen Eintrag meldet, welche Angaben nötig sind und wie die Änderung dokumentiert wird. Zum Beispiel kann ein Mitarbeiter eine fehlende Startzeit samt Grund am selben Tag nachmelden; die zuständige Person prüft und kennzeichnet die Ergänzung. Das schafft Nachvollziehbarkeit, ohne jede kleine Korrektur durch mehrere Freigabestufen zu schicken. Prüfen Sie nach einigen Wochen, ob die Regel tatsächlich befolgt wird oder ob dieselben Lücken wiederkehren.
Mit einer mobilen App erfassen Sie Baustellenzeiten näher am Geschehen
Eine mobile Zeiterfassungs-App eignet sich für Teams, die direkt auf Baustellen, bei Kunden oder an wechselnden Einsatzorten beginnen. Ihr zentraler Vorteil ist die Nähe zum Geschehen: Beschäftigte können Start, Ende und Auftrag buchen, während der Vorgang noch präsent ist. Dadurch muss das Büro weniger aus unvollständigen Angaben rekonstruieren. Das funktioniert aber nur, wenn die Auftragsauswahl schnell ist und Mitarbeitende verstehen, wann sie den Auftrag wechseln sollen.
Ein Servicetechniker startet morgens bei einem Heizungsausfall, fährt danach zu einer Wartung und beendet den Tag mit einer Reparatur. Kann er in der App die drei Aufträge klar unterscheiden, ordnet er die Zeit direkt zu. Das Büro muss am Freitag nicht anhand ähnlicher Kundennamen erraten, welcher Einsatz wie lange dauerte. Wenn er hingegen durch lange Listen und mehrere Pflichtfelder navigieren muss, kann er die Buchungen bis zum Tagesende aufschieben. Dann verschwimmen die Übergänge zwischen den Einsätzen und der Zuordnungsvorteil geht verloren.
Prüfen Sie vor der Einführung die Bedingungen vor Ort: Funktioniert die App bei schlechtem Empfang, werden Buchungen später synchronisiert, und bleibt dabei der ursprüngliche Buchungszeitpunkt nachvollziehbar? Ein Techniker im Keller kann möglicherweise keine Datenverbindung haben. In diesem Fall muss er die Zeit trotzdem erfassen können, ohne sie später aus dem Gedächtnis zu schätzen. Prüfen Sie außerdem, wie Beschäftigte Pausen erfassen, falsche Aufträge korrigieren und erkennen, ob eine Buchung erfolgreich gespeichert wurde.
Testen Sie die Bedienung mit zwei oder drei Beschäftigten an einem echten Arbeitstag, einschließlich eines Auftragswechsels und einer Buchung mit Handschuhen. Beobachten Sie konkret, wo sie suchen oder stocken. Wenn die Aufträge in der App schwer zu unterscheiden sind, hilft vielleicht eine kürzere Liste mit eindeutigen Bezeichnungen mehr als eine zusätzliche Schulung. Fragen Sie auch das Büro, ob die Buchungen anschließend ohne doppelte Eingabe weiterverarbeitet werden können. So prüfen Sie, ob die App den gesamten Ablauf vereinfacht und nicht nur den Moment der Erfassung.
GPS kann Fahrten zuordnen, braucht aber klare Grenzen
GPS-gestützte Zeiterfassung ergänzt eine Buchung um Standortinformationen. Das kann helfen, Einsätze an verschiedenen Orten auseinanderzuhalten, löst aber nicht automatisch die Frage, wann Arbeitszeit beginnt oder welcher Tätigkeit sie gilt. Eine Koordinate zeigt einen Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt; sie erklärt nicht, ob jemand dort gearbeitet, gewartet oder Pause gemacht hat. GPS ist deshalb nur dann nützlich, wenn ein konkretes Zuordnungsproblem besteht, das sich nicht einfacher über eine Auftragsauswahl lösen lässt.
Bei einem Kundendienst mit mehreren kurzfristigen Einsätzen kann ein Standortbezug eine Rückfrage erleichtern. Fährt ein Mitarbeiter morgens zu einer Heizung in einem Wohngebiet und anschließend zu einer Wartung am Stadtrand, kann der Standort helfen, eine Buchung dem passenden Besuch zuzuordnen. Er ersetzt jedoch weder die Auswahl des Auftrags noch eine verständliche Dokumentation der Tätigkeit. Falls beide Einsätze am selben Standort stattfinden, liefert GPS allein womöglich gar keine ausreichende Unterscheidung.
Prüfen Sie vor dem Einsatz, welche Daten das System erfasst, wann der Standort abgefragt wird, wer Zugriff erhält und wie lange die Angaben gespeichert werden. Besprechen Sie den Zweck und die Abläufe mit den betroffenen Beschäftigten und holen Sie bei konkreten Datenschutz- oder Mitbestimmungsfragen fachlichen Rat ein. Die Anforderungen richten sich nach dem Einzelfall, der Ausgestaltung des Systems und betrieblichen Vereinbarungen. Für die Auswahl hilft eine konkrete Frage: Welche Fehlzuordnung soll GPS verhindern, und könnte eine eindeutige Auftragsauswahl dieselbe Lücke schließen?
Wägen Sie den Zusatznutzen gegen den Aufwand und die Sensibilität der Daten ab. Wenn Teams feste Einsatzpläne haben und Aufträge bereits zuverlässig per App buchen, bringt eine dauernde Standorterfassung möglicherweise wenig. Werden Fahrten dagegen regelmäßig falsch zugeordnet, testen Sie eine eng begrenzte, transparente Funktion und vereinbaren Sie vorher, woran Sie den Nutzen messen: etwa weniger Rückfragen zu Einsatzorten. Prüfen Sie nach der Testphase, ob dieses Ergebnis eingetreten ist. Bleibt es aus, ist die zusätzliche Datenerfassung für Ihren Ablauf möglicherweise nicht gerechtfertigt.
Prüfen Sie die Buchungskette, bevor Sie sich festlegen
Eine gute Zeiterfassung macht eine Buchung vollständig und nutzbar für den nächsten Arbeitsschritt. Prüfen Sie daher den Weg vom ersten Eintrag bis zur Auswertung: Wer kontrolliert ihn, wie wird er einem Auftrag zugeordnet, und wie erfährt der Mitarbeiter von einer Rückfrage? Das ist entscheidend, weil ein System zwar Buchungen speichern kann, der Betrieb aber weiterhin Zeit verliert, wenn dieselben Informationen mehrfach übertragen oder unklare Angaben nachträglich rekonstruiert werden müssen.
- Wählen Sie einen typischen Auftrag. Nehmen Sie etwa eine Badmodernisierung mit mehreren Tätigkeiten. Wählen Sie einen Auftrag, bei dem die spätere Auswertung tatsächlich gebraucht wird.
- Buchen Sie einen realistischen Tag. Erfassen Sie Beginn, Pause, Auftragswechsel und Ende. Fügen Sie eine vergessene oder falsch zugeordnete Buchung hinzu, um den Korrekturweg zu prüfen.
- Verfolgen Sie die Daten im Büro. Prüfen Sie, ob Stunden ohne zusätzliche Übertragung dem Auftrag und der passenden Tätigkeit zugeordnet werden können.
- Prüfen Sie einen Ausnahmefall. Simulieren Sie fehlenden Empfang, einen kurzfristigen Einsatz und eine versehentliche Fehlbuchung. Notieren Sie, was Beschäftigte und Büro jeweils tun müssen.
- Fragen Sie das Team gezielt. Lassen Sie Beschäftigte die umständlichste Buchung zeigen. Konkrete Beobachtungen sind hilfreicher als ein allgemeines Urteil zur Zufriedenheit.
Bei einer Badmodernisierung könnte die Leitung Arbeitsstunden für Demontage, Installation und Nacharbeit getrennt auswerten wollen. Bietet die Erfassung nur die Auswahl des Kundennamens, fehlen die nötigen Informationen. Verlangt sie dagegen zwölf Angaben bei jeder Buchung, kann die Suche auf der Baustelle so lange dauern, dass Einträge später nachgetragen werden. Der passende Mittelweg ist, die tatsächlich benötigte Tätigkeit mit wenigen verständlichen Optionen zu erfassen und Details nur dann abzufragen, wenn sie eine konkrete Auswertung ermöglichen.
Prüfen Sie außerdem Korrekturen, Datenexport und die Übergabe an Ihre Lohn- oder Auftragsverwaltung. Schreiben Sie die nötigen Schritte vom Buchen bis zur Auswertung auf und markieren Sie doppelte Eingaben. Wenn dieselbe Auftragsnummer erst auf Papier, dann in einer Tabelle und schließlich in der Verwaltungssoftware landet, ist das ein greifbarer Kostenpunkt. Fragen Sie den Anbieter, welche dieser Schritte das System übernimmt und welche Ihr Büro weiterhin erledigt. Damit vergleichen Sie Lösungen nach ihrer Wirkung auf den Arbeitsalltag statt nach langen Funktionslisten.
Führen Sie das System mit einem kleinen, klaren Test ein
Ein kurzer Praxistest zeigt, ob die Erfassung in Ihrem Betrieb trägt. Wählen Sie ein Team und einen normalen Arbeitsablauf, legen Sie wenige Messpunkte fest und besprechen Sie die Ergebnisse gemeinsam. Der Test sollte echte Arbeit abbilden, weil eine reibungslose Vorführung im Büro wenig darüber sagt, ob die App im Keller funktioniert oder ein Mitarbeiter auf dem Weg zum nächsten Auftrag schnell buchen kann. Entscheiden Sie vorab, woran Sie Erfolg erkennen: etwa weniger fehlende Auftragsnummern, weniger Rückfragen oder keine doppelte Übertragung.
Ein Elektrobetrieb könnte eine Woche lang eine App mit einem Montageteam auf zwei Baustellen erproben. Prüfen Sie täglich, ob Beginn, Auftragswechsel, Pause und Ende gebucht wurden. Notieren Sie fehlende Buchungen, Rückfragen aus dem Büro und Situationen ohne Datenverbindung. Ein kurzes Gespräch am Tagesende kann aufdecken, dass die Auftragssuche auf der Baustelle zu lange dauert. Vergleichen Sie diese Beobachtung mit dem bisherigen Ablauf: Sinkt zwar die Zahl der Rückfragen, verlieren Beschäftigte aber täglich mehrere Minuten bei der Suche, sollten Sie die Auftragsliste vereinfachen, bevor Sie das System breiter einführen.
Bewerten Sie den Test mit wenigen konkreten Fragen: Finden Mitarbeitende den richtigen Auftrag? Kann das Büro Zeiten ohne doppelte Eingabe übernehmen? Sind Korrekturen nachvollziehbar? Versteht das Team, welche Daten erfasst werden? Halten Sie zu jeder Hürde eine Maßnahme und eine verantwortliche Person fest, zum Beispiel die Auftragsliste kürzen oder den Offline-Ablauf erklären. So entsteht aus dem Test eine Entscheidung: einführen, gezielt nachbessern und erneut prüfen oder eine andere Erfassungsform ausprobieren.
Planen Sie anschließend eine kurze Einweisung mit Beispielen aus Ihrem Betrieb. Zeigen Sie, wie ein vergessener Start korrigiert wird und an wen sich Beschäftigte wenden können. Klären Sie bei einer Software außerdem Zugriffsrechte, Datenexport und Zuständigkeiten. Datenschutzfragen richten sich nach dem konkreten Einsatz; bei Unsicherheit helfen eine zuständige Fachstelle oder juristische Beratung. Legen Sie einen Termin fest, an dem Sie die vereinbarten Messpunkte erneut prüfen. Das macht sichtbar, ob die Lösung dauerhaft Zeit spart oder ob sich neue Umwege eingeschlichen haben.
Häufige Fragen
Welche Zeiterfassung passt zu einem kleinen Handwerksbetrieb?
Bei wenigen Beschäftigten und festen Einsatzorten kann ein übersichtlicher Stundenzettel oder ein Terminal genügen. Wechseln Mitarbeitende häufig zwischen Baustellen und Kunden, bietet eine mobile App meist einen direkteren Buchungsweg. Entscheidend ist, ob die Zeiten vollständig beim richtigen Auftrag ankommen.
Reicht ein Stundenzettel für die Zeiterfassung?
Ein Stundenzettel kann praktisch sein, wenn Arbeitsabläufe einfach sind und Einträge regelmäßig vollständig ausgefüllt werden. Achten Sie auf lesbare Angaben zu Datum, Beginn, Ende, Pausen und Auftrag. Welche konkreten Pflichten für Ihren Betrieb gelten, sollten Sie anhand der aktuellen Vorgaben und Ihrer betrieblichen Situation prüfen.
Brauchen Mitarbeitende für eine Zeiterfassungs-App ein Diensthandy?
Das hängt von der Ausstattung und den betrieblichen Abläufen ab. Manche Betriebe stellen Dienstgeräte bereit, andere nutzen gemeinsam verfügbare Geräte oder eine zusätzliche Erfassung im Betrieb. Klären Sie vorab, wie Zugänge, Datenschutz, Geräteausfall und fehlender Empfang gehandhabt werden.
Darf mein Betrieb GPS zur Zeiterfassung einsetzen?
Das hängt von Zweck, Umfang und konkreter Umsetzung der Standorterfassung ab. Klären Sie transparent, wann Standortdaten erhoben werden, wer sie sehen darf und wie lange sie gespeichert bleiben; beachten Sie auch mögliche Mitbestimmung. Für die Bewertung Ihres konkreten Falls holen Sie fachlichen oder juristischen Rat ein.
Wie teste ich ein Zeiterfassungssystem im Alltag?
Erproben Sie es mit einem Team und einem typischen Auftrag, einschließlich Auftragswechsel, Pause und Korrektur einer Fehlbuchung. Prüfen Sie, ob die Beschäftigten schnell buchen können und das Büro die Zeiten ohne doppelte Eingabe zuordnen kann. Halten Sie Probleme konkret fest und passen Sie den Ablauf vor einer breiteren Einführung an.
Unser Fazit
Wählen Sie das System, das Ihre Beschäftigten am tatsächlichen Arbeitsort zuverlässig bedienen können und das Ihrem Büro vollständige, zuordenbare Buchungen liefert. Starten Sie mit einem typischen Auftrag, testen Sie den ganzen Weg und ändern Sie nur die Abläufe, die im Versuch wirklich haken.
Dann wird aus dem Zettelstapel kein digitales Durcheinander, sondern ein klarer Blick auf die geleistete Arbeit – vom ersten Werkzeuggriff bis zum letzten Auftrag des Tages.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Maßgeblich sind Ihr Vertrag, die jeweils gültigen Normen und Vorschriften sowie die zuständigen Stellen.